Künstliche Intelligenz könnte Lebensläufe bevorzugen, die mithilfe desselben KI-Modells erstellt wurden, das sie anschließend bewertet. Dies wirft Fragen darüber auf, wie unvoreingenommen automatisierte Einstellungsverfahren tatsächlich sind.
Auf dieses Problem weist eine Kolumne von Pilita Clark in der Irish Times hin. Sie beleuchtet die Erfahrungen der Anwaltskanzlei Addleshaw Goddard sowie die Ergebnisse einer Studie zur algorithmischen Auswahl von Bewerbern.
Warum entschieden sich Menschen und KI für unterschiedliche Kandidaten?
Die Kanzlei erhielt 178 Bewerbungen für eine IT-Stelle in ihrer Personalabteilung. Zuvor hätte sie mit lediglich einigen Dutzend Bewerbungen gerechnet. Deshalb testete sie einen KI-Agenten, der auf dem internen Microsoft-Copilot-System basierte.
Nachdem die Mitarbeiter ungefähr ein Dutzend Bewerbungen vorausgewählt hatten, ordnete die KI diese anhand der Anforderungen der Stelle. Ihre Rangliste der bevorzugten Kandidaten stimmte jedoch nicht mit der menschlichen Einschätzung überein.
Der Agent bewertete professionell formulierte Bewerbungen hoch, in denen außergewöhnliche Erfolge trotz geringer Berufserfahrung behauptet wurden. Die Mitarbeiter hielten diese Angaben für wenig glaubwürdig und vermuteten, dass die Bewerbungen mithilfe von KI verfasst worden waren.
Wird der Einsatz von KI selbst zum Vorteil?
Katherine Rathbone, die Leiterin der Personalabteilung, nannte eine mögliche Erklärung: Da Kenntnisse im Umgang mit KI eine Einstellungsvoraussetzung waren, könnte der Agent Hinweise auf den Einsatz von KI beim Verfassen der Bewerbung als Beleg für die Fähigkeiten der Kandidaten interpretiert haben.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass das Modell Texte bevorzugt, die seinen eigenen Antworten ähneln.
Was ergab die Studie?
Die Forscher simulierten Einstellungsverfahren in 24 Berufsfeldern und stellten fest, dass gleich qualifizierte Bewerber, die dasselbe Sprachmodell wie das Bewertungssystem verwendeten, eine um 23 bis 60 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit hatten, in die engere Auswahl zu gelangen, als Bewerber mit von Menschen verfassten Lebensläufen.
Der größte Nachteil für Bewerber mit selbst verfassten Lebensläufen zeigte sich in kaufmännischen Bereichen wie Vertrieb und Rechnungswesen. Die Ergebnisse beziehen sich auf simulierte Auswahlverfahren und belegen keinen garantierten Vorteil bei tatsächlichen Einstellungen.
Wie lässt sich die Voreingenommenheit reduzieren?
Die Studie deutet darauf hin, dass sich die Voreingenommenheit um mehr als die Hälfte verringern lässt, wenn das Modell angewiesen wird, sich auf den Inhalt des Lebenslaufs statt auf dessen Herkunft zu konzentrieren. Auch die Kombination mehrerer Bewertungsmodelle kann dazu beitragen.
Bei Addleshaw Goddard trafen letztlich Menschen die endgültige Entscheidung. Eingestellt wurde ein Kandidat, den der KI-Agent nicht auf den ersten Platz gesetzt hatte.
„Das menschliche Urteilsvermögen ist nach wie vor wichtig“, erklärte Rathbone laut Irish Times.

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